Test Sony A7R III

Erfahrungsbericht zur Sony A7R III auf Hochzeiten

Bei professionellen Aufträgen kommen bisher bei mir zwei Nikon D750 zum Einsatz. Privat nutze ich schon seit ein paar Jahren ausschließlich die Sony A7R II. Ausschlaggebender Grund dafür ist das geringere Gewicht und Größe im Vergleich zu den DSLRs.

Mittlerweile schätze ich jedoch noch viel mehr die Vorteile von spiegellosen Kameras, allen voran WYSIWYG (What You See Is What You Get). Jedoch stören mich bei meiner alten Sony A7R II auch etliche Dinge, weshalb sie wenn überhaupt nur bei den Portraits auf Hochzeiten zum Einsatz kam.

Das hat sich nun mit dem Nachfolgermodell, der A7R III geändert! Im folgenden Testbericht möchte ich über meine praktischen Erfahrungen beim Einsatz auf Hochzeiten berichten.

Alles ohne Pixelpeeping und Testcharts etc., sondern einfach nur wie ich das Arbeiten mit ihr empfunden haben und wie man so schön sagt, ein Real World Test ;) Aber die Erfahrungen gelten natürlich nicht nur für Hochzeiten sondern für alle Bereiche, in denen es sehr hektisch werden kann.

***BEISPIELBILDER WERDEN NACH FERTIGSTELLUNG DER NACHBEARBEITUNG EINGEFÜGT***

Autofokus

Der Autofokus ist für mich das Allerwichtigste beim Einsatz auf Hochzeiten. Mein komplettes Arbeiten dreht sich komplett nur um eines, und zwar den richtigen Moment einzufangen. Und wenn ich da mit einem langsamen Autofokus oder manuellem Hantieren genau diesen Moment verpasse, ärgert mich das ungemein und die Kamera – egal was für andere großartigen Vorzüge sie auch zu bieten hat – ist für mich durchgefallen!

Und genau deswegen kam das Vorgängermodell, die Sony A7R II, bei mir bei der Reportage nicht zum Einsatz!

Im privaten Bereich, etwa bei Urlauben, Kindergeburtstagen, etc. hat die AF-Performance im Großen und Ganzen gereicht, aber auf Hochzeiten empfand ich den AF zu langsam – besonders wenn es etwas dunkler wurde.

Ausschussquote und Zuverlässigkeit

Das hat sich mit der A7R III geändert. Der Autofokus ist dermaßen schnell, dass er bei mir nichts zu wünschen übrig lässt. Egal ob Gegenlicht, herumspringende Kinder oder nachts auf der Tanzfläche. Meine Ausschussquote hat sich enorm verringert. Ich fotografiere sehr gerne mit Offenblende und wo ich mit der Nikon D750 lieber ein paar Mal mehr abgedrückt habe, um auf Nummer sicher zu gehen, dass es auch scharf ist, hatte ich mit der Sony A7R III so gut wie keinen Ausschuss.

Zumal das etwas anders arbeitende Autofokus-System der Spiegellosen gegenüber dem Phasen-Autofokus von DSLRs den Vorteil hat, dass das Foto bei passendem AF zu 100 Prozent scharf ist. Bei DSLRs kann es zu weilen ja auch vorkommen, dass der AF mal ein paar Zentimeter vor oder hinter dem Objekt scharf stellt. Und ich meine hier nicht, die fehlende AF-Feinjustierung, die ist natürlich bei allen meinen DSLRs durchgeführt worden. Was mich zu einem weiteren Vorteil der A7R III bzw. allgemein von Spiegellosen bringt: Man braucht keine AF-Feinjustierung mehr. Wenn scharf, dann auch richtig scharf ;)

Autofokusfelder

Die Autofokusfelder der D750 sind ja schon sehr auf die Mitte beschränkt. Häufig musste ich bei aufwendigeren Portraits den Live-View einschalten um auch in den Ecken fokussieren zu können. Recomposing hat bei mir bei Offenblende nie zu einer zufriedenstellenden Scharfstellung geführt, weshalb ich das nicht nutze. Wohingegen die AF-Felder der Sony bis fast zum Rand gehen. Für mich eine enorme Arbeitserleichterung.

Touchscreen

Der Touchscreen bei der A7R III hilft einem relativ schnell das AF-Feld an jede beliebige Stelle bewegen zu können. Leider funktioniert alls ein bisschen träge, und im Menü kann man Touch überhaupt nicht benutzen. Und auch gibt es keine Funktion, bei der man mit Antippen auf den Touchscreen ein Scharfstellen und sofortiges Auslösen bewerkstelligt. D.h. der Touchscreen ist wirklich nur für das Versetzen der AF-Felder da.

Eye-AF und Gesichtserkennung

Der Augenautofokus, der bei der Sony A7R II schon wirklich gut funktioniert, wurde bei der A7R III noch einmal verbessert. Privat nutzte ich den Eye-AF bzw. die Gesichtserkennung bei 90 Prozent meiner Aufnahmen. So empfand ich es nach der Winterpause schon ein wenig eigenartig, das AF-Feld auf der D750 wieder manuell verschieben zu müssen. So sehr hatte ich mich an das präzise Erkennen von Gesichtern und Augen gewöhnt.

Die Folge war, dass ich mich auch mit der A7R III auf Hochzeiten fast ausschließlich auf die Gesichtserkennung verlassen konnte. Lediglich bei bei vielen Personen und nachts bei der Party schaltete ich auf ein kleines AF-Feld und nutzte den Joystick.

Silent-Shutter

Ein Feature, was ich gerne noch häufiger nutzen möchte, ist der Silent-Shutter. Ohne Auslösegeräusch fotografieren zu können ist einfach ein tolles Gefühl und so befreiend. Gerade beim Getting Ready, was ja für das Brautpaar auch immer ein erstes Herantasten und Gewöhnen an den Fotografen ist, kann ich mit Silent-Shutter noch unauffälliger fotografieren.

Höchstwahrscheinlich stört ja das Auslösegeräusch die Brautpaare noch viel weniger als einen selbst. Aber ich finde bei Hochzeiten geht es auch viel um das eigene Gefühl wie man fotografiert, und wenn so ein Feature einem selbst das Gefühl verschafft noch freier fotografieren zu können, dann würde ich es sogar als Game Changer bezeichnen.

Einschränkungen mit Banding und fluoriszierendem Licht hatte ich leider mit der A7R III wie auch bereits mit dem Vorgänger. Manchmal verhalf ein Ändern der Verschlusszeit auf 1/100 Abhilfe. Wenn dies nicht der Fall war musste ich zähneknirschend dann doch den mechanischen Shutter anschalten. Hier spielt die Sony A9 ihre volle Stärke aus, bei der kein Banding zum Vorschein tritt.

Handling

Puh, was ist das eine Qual gewesen mit der A7R II zu fotografieren. Kleine, friemelige Knöpfe, ein nicht wirklich durchdachtes Menü, das Verstellen der AF-Felder einfach nur nervig. Die A7R III wurde dahingehend verbessert, als dass es jetzt einen Joystick gibt und die Knöpfe einen deutlich besseren Druckpunkt vorweisen. Das Menü hat sich wohl auch verändert, aber so viel habe ich davon noch nicht gemerkt. Man kann nun wie bei Canon und Nikon ein Favoriten-Menü mit seinen häufig genutzten Menüeinträgen einrichten.

Was bei Sony einfach klasse ist, ist die Möglichkeit fast alle Funktionen auf Custom-Buttons zu legen. So habe ich den Eye-AF auf die AF-On Taste gelegt (ich nutze den kontinuierlichen AF-C und kein Back-Button Autofokus), den Super 35 Modus auf die AEL Taste. Da ich ausschließlich Festbrennweiten benutze, habe ich so bei dem starken 42 Megapixel-Sensor die Möglichkeit mit dem Super 35 Modus meinen Bildausschnitt enger und näher zu gestalten und immer noch ein 18 Megapixel Bild zu erhalten. Bei dem 24 Megapixel-Sensor der Sony A7 III würde ich das jedoch nicht nutzen.

Elektronischer Sucher

Der elektronische Sucher ist einfach eine Augenweide. Privat bislang noch nicht so genutzt, weil ich da mehr aus der Hüfte schieße ;) aber beruflich auf Hochzeiten habe ich die Vorzüge des elektronischen Suchers vollends auskosten können.

Durch den Sucher finde ich bemerkt man den Unterschied zu einer DSLR noch viel deutlicher. Ich sehe sofort das fertige Bild und kann auch bei Offenblende einschätzen, ob bspw. bei Gruppenaufnahmen auch alle Personen scharf sind.

Bei meiner D750 habe ich immer erst ein paar Aufnahmen mit Offenblende gemacht und dann zur Sicherheit nochmal abgeblendet. Das fällt nun weg und weniger Ausschuss bedeutet Zeitersparnis in der Postproduktion. Die Zeiten von Chimping sind damit vorbei!

Jedoch hat der elektronische Sucher nicht nur Vorteile. Vor allen Dingen nachts bei der Party, wenn es etwas dunkler wird, finde ich einen optischen Sucher bislang noch besser. Das Feedback des AF ist irgendwie direkter und auch sonst finde ich den elektronischen Sucher irgendwie laggy.

Generell ist es deutlich besser geworden die Kamera schnell und einfach zu bedienen, aber an eine DSLR mit ihrem direkteren Feedback kommt die Sony meiner Meinung nach immer noch nicht heran.

Bildqualität

Die Bildqualität hat sich gegenüber der Sony A7R II wohl noch etwas verbessert. Aufgrund fehlendem Pixelpeeping habe ich davon bislang jedoch noch nichts gemerkt. Da ich aber bereits mit der Bildqualität der A7R II mehr als zufrieden bin (ich staune bis heute noch, was da so alles in der Nachbearbeitung möglich ist!), übertrifft auch die A7R III meine Erwartungen.

Ich habe die Nikon D850 noch nicht in den Händen gehabt, aber bislang hat für mich die R-Reihe der Sony die bislang beste Bildqualität. Die 42 Megapixel finde ich für Hochzeiten und insbesondere für die Reportage vielleicht etwas viel, 24 Megapixel ist da wohl der Sweet-Spot.

Störend finde ich die hohe Megapixel in der Postproduktion und auch im Speicherverbrauch aber nicht. Speicher kostet ja mittlerweile sowieso nichts mehr und auch mit meinem alten 2013er MacBook Pro ging die Bearbeitung relativ zügig. Klar, mein 2017er MBP ist da schon etwas zackiger, aber einen neuen Rechner musste ich mir für die alte A7R II auch nicht holen. Da ich bereits seit einigen Jahren privat nur noch mit 42 Megapixeln fotografiere, erfordert der professionelle Einsatz nun keinerlei Umstellung mehr.

Low-Light Performance

Die Low-Light Performance, also das Rauschverhalten bei hohen ISO-Zahlen, finde ich gut, jedoch habe ich da auch nicht so die hohen Ansprüche. Denn bei ISO 4000 ist bei mir in der Regel Schluss. Darüber möchte ich nicht gehen, weil ich das Licht und den Look einfach nicht mag. Bei mir kommen dann (bis auf die Kirche) immer Blitze zum Einsatz. Entweder bounce ich, oder ich nutze zwei Off-Camera Blitze auf Lightstands jeweils im 45 Grad-Winkel.

Zweiter SD-Karten Slot

Der zweite SD-Karten Slot war auch ein Grund weshalb ich die A7R III nun mit ruhigem Gewissen auf Hochzeiten einsetzen kann. Es gibt mir einfach ein besseres Gefühl nun ein Backup auf der zweiten Karte zu haben. Mit der A7R II habe ich immer nur Portraits auf Hochzeiten gemacht. Für wichtige Situationen war mir der fehlende zweite Slot einfach zu heikel.

Mit der D750 kam ich trotz schneller Karten doch relativ häufig an die Grenzen was den Buffer für Serienaufnahmen betrifft. Bei der Sony A7R III geht das auch im Vergleich zur A7R II nun schneller und der Buffer hält länger durch. Ich hatte noch keine Situation, in der ich an die Grenze des Buffers gelangt bin.

Auch die FPS ist deutlich höher als bei der D750 und A7R II und in manchen schnellen Situationen ein Vorteil. Alleine deswegen würde ich mir eine Kamera jedoch nicht kaufen, so einen großen Stellenwert messe ich der FPS nicht bei.

Akku

Der Akku wurde deutlich verbessert gegenüber der Vorgängerin. Es wird nun ein Z-Akku verwendet. Jedoch war ich ehrlicherweise etwas enttäuscht, dass zwei Akkus nicht ganz ausreichen um eine komplette Hochzeit von morgens bis abends zu fotografieren. Vielleicht hatte ich noch irgendeine Funktion aus Versehen eingeschaltet, was an Akku gezogen hat, aber zusätzliche Akkus müssen auf jeden Fall noch her. Im privaten Bereich für einen normalen Sightseeing-Urlaubstag habe ich es genossen, mich den ganzen Tag über auf einen Akku verlassen zu können und nicht Ersatz-Akkus dabei haben zu müssen.

Preis und Abgrenzung

Billig ist sie nicht, die A7R III. Knapp 3500 Euro kostet sie, jedoch ist sie gegenüber der Sony A9 mit einer UVP von 5300 Euro bzw. nach der Preissenkung dann 4800 Euro noch deutlich günstiger.

Bereits im letzten Jahr wollte ich mir die A9 kaufen, habe die Hochzeitssaison jedoch noch mit meinen Nikons beendet. Dann ein paar Monate vor Weihnachten wurde die A7R III angekündigt und ich habe sofort zugeschlagen. Eine verbesserte A7R II mit dem unglaublichen Bildsensor, das musste ich haben! Und in der Tat bin ich bis heute mit dieser Kamera so zufrieden, dass ich sie jedem nur empfehlen kann.

Und dann kam die A7 III. Was Sony da an Features reingepackt hat und was für ein aggressives Preislevel mit ca. 2300 Euro – das ist einfach unglaublich. Fast eine A7R III für 1200 Euro weniger – ein No-Brainer! Wer jedoch den unglaublichen Sensor der R-Reihe haben möchte, für den führt kein Weg an der A7R III vorbei. Die A7 III werde ich mir eventuell als Backup-Kamera holen.

Fazit

Endlich hat es Sony geschafft, die 7er Reihe seiner Spiegellosen Kameras auch für schnelle, hektische Situationen zu wappnen. Wo die Sony A7R II mit dem Autofokus noch nicht mithalten konnte, ist dies mit der Sony A7R III nun Geschichte.

Der Ausschuss hat sich bei mir auf Hochzeiten drastisch verringert, auf die Gesichtserkennung und den Eye-AF kann ich mich zu hundert Prozent verlassen und wenn es dann doch mal ein kleines AF-Feld sein soll, so steht mit dem nun eingebauten Joystick dem nichts mehr im Wege.

Die Bildqualität ist gegenüber der A7R II leicht verbessert, der zweite SD-Karten Slot gibt einem ein sicheres Gefühl und auch der Akku hält nun länger durch. Der elektronische Sucher ist tagsüber mit WYSIWYG in dieser Hinsicht deutlich einem optischen Sucher überlegen. Insgesamt fühlt sich die Kamera und das Handling einfach runder an.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten an dieser Kamera. Ich bevorzuge wenn es dunkel wird, etwa bei der Party auf Hochzeiten, immer noch das direktere Feedback und den optischen Sucher einer DSLR. Die Bedienung insgesamt ist minimal etwas laggy. Und obwohl ein besserer Akku drin ist, kommt die Sony immer noch nicht an die Laufzeit einer DSLR heran.

Insgesamt kann ich diese Kamera jedem Fotografen empfehlen. Sowohl beruflich als auch aufgrund ihres kleinen Formfaktors privat. Das Abschleppen hat nun ein jähes Ende!

Vorteile

  • Handling einer DSLR ebenbürtig
  • Bildqualität!
  • Schneller Autofokus
  • Gesichtserkennung und Eye-AF!
  • What You See Is What You Get
  • unauffälliges Erscheinen aufgrund des Formfaktors

Nachteile

  • bisschen laggy
  • Autofokus bei wenig Licht auf der Tanzfläche fühlt sich bei DSLR direkter an
  • Akku könnte noch einen Ticken länger durchhalten